DEA Deutsche Eliteakademie

Neue Architektur am Beispiel von München-Altbogenhausen

In der architektonisch beeindruckenden Villenlandschaft Altbogenhausens, deren optisch wohltuende klassizistischen Gebäude vor etwa 100 Jahren errichtet wurden – von Bauherren, die damals zur Münchner Elite zählten, hat gerade in den letzten Jahren ein eklatanter Tabubruch Einzug gehalten. Während noch in den 1980-er Jahren es sehr häufig vorkam, dass nach Teilung eines großzügigen Villengrundstücks der neue Bauherr sich an dem klassizistischen Vorbild orientierte und damit Wohnraum schuf, angelehnt an das vorhandene Gebäude, hielt im 21. Jahrhundert des Öfteren ein Bunker-Baustil Einzug.
Manche dieser Klötze sehen neben den historischen Villen wie riesige wehrhafte Monster aus, die in ihrer Würfelform wie vom Himmel gefallene Raumschiffe wirken, in denen sich heute offenbar sehr reiche Münchner Neubürger niedergelassen haben, abgeschottet vom Umfeld durch extra harten Beton und schusssichere Fenster. Diese Betonklötze wirken abweisend, fast Furcht einflössend, in der ansonsten beschaulichen Gegend. Architekten und Bauherren haben offenbar nicht begriffen, dass die formale neue Sachlichkeit in der Baukunst nicht der Selbstdarstellung ihrer Erbauer dienen sollte, sondern erstlinig in das bestehende Umfeld passen müsste. Die Haltung gegenüber dem vorhandenen Bestand ist auch in München längst zur Gretchenfrage in der Architektur mutiert. Es wäre deshalb dringend geboten, eine bestandsorientierte Bauweise zu fordern, in der sich das Neue in optischem Einklang mit dem Vorhandenen befindet und sich an diesem visuell misst. Anstelle des Dranges zur formalen Innovation ist vielmehr das Nachdenken über den Bezug zum Bestand nötig und statt gezielter Obsoleszenz die Suche nach Gemeinsamkeit. Der Neubau auf dem geteilten Villengrundstück darf optisch nicht zu einem Fremdkörper verkommen, denn Architektur versorgt ein Gemeinwesen nicht nur mit Wohnraum, sondern auch mit Bildern und Metaphern, die sich speziell hier in Altbogenhausen in jüngster Zeit häufig in abweisenden Betonbunkern widerspiegeln. Man kann nur hoffen, dass mit einer gekonnten Farbgebung das triviale „Archtekturerlebnis“ in Zukunft etwas abgemildert wird, um dadurch die Emotionen des Betrachters ein wenig zu beruhigen.

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