DEA Deutsche Eliteakademie

Radikaldiäten

Eine dringende Warnung vor Radikaldiäten sprechen die am Wiener Otto-Wagner-Spital tätige Neurochirurgin und Psychiaterin Dr. Iris Zachenhofer sowie die Neuchirurgin Dr. Marion Reddy vom Hopital de Purpan in Toulouse aus. Radikaldiäten bringen die Neurochemie im Bereich der so genannten Hungerhormone Leptin und Ghrelin sowie der Neurotransmitter durcheinander, schreiben die beiden Ärztinnen in ihrem Buch „Slow Slim“, das am 18. Februar 2017 in der edition a erschien. Als Folge davon kann das Gehirn dauerhaft das Phänomen des unstillbaren Hungers auslösen. Menschen fühlen sich nach Radikaldiäten nie mehr richtig satt, auch wenn sie genug gegessen habe. Die Forschungen zu diesem Thema seien zwar noch nicht abgeschlossen, doch es stünde fest, dass Menschen nach Radikaldiäten oft nie mehr dieselben wären als zuvor. Wir müssen uns damit abfinden, dass aufgrund der Funktionsweise des Gehirns beim dauerhaften Abnehmen nur sanfte Methoden funktionieren, für die wir uns mit einem vernünftigen Programm ein Jahr Zeit nehmen sollten, behaupten die beiden.
Australische Wissenschaftler um die Medizinerin Dr. Katrina Purcel von der University of Melbourne behaupten im Fachmagazin „Lancet Diabetes und Endocrinology“ das Gegenteil. Sie fanden in einer Studie mit 204 Probanden heraus, dass Crash-Diäten keineswegs weniger erfolgreich verlaufen als maßvolles, langfristiges Abspecken. Die Teilnehmer an der Studie waren zwischen 18 und 70 Jahre alt und wiesen einen deutlich erhöhten Body Mass-Index auf, der zwischen 30 und 45 lag. Die Studienleiter stellten zwei fast gleich große Gruppen zusammen. Für beide galt das Ziel, 15 Prozent des Körpergewichts abzunehmen. Die erste Gruppe sollte hierzu über 36 Wochen eine maßvolle Diät einhalten und dafür 400 bis 500 Kalorien täglich einsparen. Die zweite Gruppe hielt nur 12 Wochen Diät und nahm nur 800 Kalorien pro Tag zu sich – mit einer Formula-Diät, also kalorienarmen Spezialdrinks. 78 Prozent der zweiten Gruppe, die eine Radikaldiät durchführte, aber nur die Hälfte der ersten Gruppe erreichten tatsächlich im vorgegebenen Zeitraum eine Gewichtsreduktion von mindestens 12,5 Prozent. Damit war die radikale Kalorienreduktion erfolgreicher. Anschließend wurden die Probanden 144 Wochen lang begleitet; sie bekamen Ernährungsempfehlungen und erhielten die Möglichkeit, an Diätberatungen teilzunehmen. 144 Wochen später hatten die Teilnehmer im Schnitt fast drei Viertel ihres Ursprungsgewichts wieder „auf den Rippen“ – und zwar unabhängig davon, ob sie zur schnellen oder langsamen Diätfraktion gehörten. „Die Rate des Gewichtsverlusts beeinflusst nicht die Gewichtsmenge, die im Verlauf von 144 Wochen wieder zugenommen wird“ – bilanzieren die australischen Wissenschaftler. Die Meinung, dass es keinen Unterschied gäbe zwischen langsamem und schnellen Gewichtsverlust, steht im Widerspruch zu gängigen Diätempfehlungen, die den langsamen Gewichtsverlust generell als vorteilhafter darstellen.

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