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Sammlung Prinzhorn erwirbt das künstlerische Werk von Erich Spiessbach

Sammlung Prinzhorn erwirbt das künstlerische Werk von Erich Spiessbach - Wie wir kürzlich erfuhren, erwarb die Sammlung Prinzhorn in Heidelberg dank der großzügigen Unterstützung des Mannheimer Unternehmers Dr. Manfred Fuchs, der Kulturstiftung der Länder sowie der Stadt Heidelberg das Oeuvre des Psychiatrie-Insassen Erich Spiessbach (1901-1956) und konnte damit ihren neueren Bestand mit "Humor aus der Psychiatrie" um mehr als 500 Zeichnungen, Texte und Fotos erweitern. "Das Werk Erich Spiessbachs ist in seiner Geschlossenheit für einen Psychiatrie-Insassen einmalig und dazu von ungewöhnlicher zeichnerischen Qualität", erklärte PD Dr. Thomas Röske, Leiter der Sammlung Prinzhorn. "Zudem erweitern die Arbeiten den neueren Bestand zwischen den Jahren 1945 und 1959, als Psychopharmaka in Deutschland eingeführt wurden. Eine Zeitspanne, die bisher in der Sammlung Prinzhorn kaum vertreten war." Querulantenwahnsinn - war die Diagnose, die Erich Spiessbach 1943 in die Psychiatrie brachte. Der archäologische Hilfsarbeiter hatte sich zuvor im Museum für Vor- und Frühgeschichte in Münster mit seinen Vorgesetzten gestritten und wurde fristlos entlassen. Spiessbach wehrte sich dagegen vor Gericht und gewann. Doch in der Folge eskalierte die Auseinandersetzung. Er machte immer mehr gerichtliche Eingaben mit immer weniger nachvollziehbaren Beschwerden. Offenbar ging es Spiessbach darum, feststellen zu lassen, dass er anderen an Einsicht und Intelligenz überlegen sei. Doch er bewirkte das Gegenteil: Dreimal wurden Gutachten über seine geistige Verfassung angefertigt, die er selbst "Idiotendiplome" nannte.
In der Psychiatrie gab ihm der Nervenarzt Manfred in der Beeck einen Illustrationsauftrag zur Sentenz "Alles ist möglich, das Dümmste aber am Wahrscheinlichsten", und provozierte damit einen wahren Ausbruch von Kreativität. In wenigen Monaten entstanden mehrere hundert Zeichnungen, die sich über die Dummheit und Gemeinheit anderer lustig machten. Die Blätter Spiessbachs dokumentieren eine eindringliche Art der Kommunikation zwischen einem Patienten und seinem Psychiater. Es lässt sich der ungewöhnliche Humor eines langjährigen Anstaltsinsassen erkennen, der sich zu Unrecht als paranoid diagnostiziert und eingesperrt wähnte. Mit dem ihm eigenen Lachen reagierte er auf die Situation, in der er sich befand - auf die Ärzte wie auf die Dummheit in der Welt ganz allgemein. "Das Spiessbach-Konvolut bietet Ansatzpunkte für eine Fülle von künstlerischen und medizingeschichtlichen Fragestellungen. Da die 1950-er Jahre momentan mehr und mehr in den Blickpunkt der Psychiatriegeschichte treten, wird die Bedeutung dieser Blätter in den nächsten Jahren sicherlich noch steigen", erklärte Thomas Röske die Relevanz der Werke für die Forschungsarbeit der Sammlung.

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