Auf der diesjährigen Sommer-Medica 2010 in Baden-Baden fand am Freitag, den 09.07.2010, ein wichtiges Seminar zum Thema Impfen statt, das präzise essentielle Fragestellungen beantwortete und Einblicke von seltener Klarheit gab. Unter Leitung der Professoren Hanns-Wolf Baenkler und Burkhard Schneeweiß wurde das Thema Impfen von verschiedensten Seiten beleuchtet und dem interessierten Publikum der aktuelle Wissenstand und neueste Erkenntnisse vermittelt.
In seinem einführenden Vortrag stellte Prof. Baenkler, Leiter des Instituts für Prävention an der Deutschen Eliteakademie, die Vernetzung der Abwehr des Körpers dar und gab eine Übersicht über die Stabilität und Flexibilität des Immunnetzwerks und die damit verbundene Problematik von therapeutischen Ansätzen.
Danach referierte Prof. Schneeweiß, Mitglied des Beirats des Instituts für Prävention an der DEA, über die Wichtigkeit von Individual- und Kollektivschutz durch Impfungen. Er betonte dabei, dass es beim Impfen nicht nur um eine individuelle Entscheidung bezüglich der eigenen Gesundheit geht, sondern auch um die Bewahrung der gesamten Gesellschaft vor der betreffenden Krankheit. Denn nur wenn hohe Durchimpfraten erreicht werden, kann eine Krankheit eliminiert werden, wie dies bereits bei den Pocken geschehen ist. Durch den sogenannten KOKON-Schutz werden nicht nur die jeweils Geimpften sondern auch die Kontaktpersonen geschützt. Ziel vieler Impfkampagnen ist es, eine Herdenimmunität zu erreichen. Welche Durchimpfrate dazu im einzelnen erzielt werden muss, kann mittels der mathematischen Epidemiologie errechnet werden. Das Ergebnis resultiert aus drei Faktoren: der Chance des Erregers, sich auszubreiten, der Ansteckungsfähigkeit pro Kontakt und der Dauer der Ansteckungsfähigkeit. Die wichtigste Message aus dem Vortrag war, dass Impfen nicht nur den Impfling schützt, sondern auch die Kontaktpersonen und damit die Gesellschaft.
Im Anschluss daran hielt Ralph Koellges, niedergelassener Pädiater aus Mönchengladbach, einen Vortrag zum darauf aufbauenden Thema: Jede Impfung zählt, Individualschutz und Herdenschutz. Auch er verdeutlichte, wie wichtig es ist, eine hohe Durchimpfrate zu erreichen, um das Kollektiv zu schützen. Darüber hinaus gab er einen umfassenden Einblick in die aktuellen STIKO-Empfehlungen und stellte die Probleme für den niedergelassenen Arzt dar, die sich daraus ergeben. Ferner klärte er über die Vorteile von Einzel- und Kombiimpfstoffen auf und zeigte, welchen Stellenwert Kombiimpfstoffe in der pädiatrischen Praxis besitzen.
Daraufhin erläuterte PD Dr. Wolf von der Universität Regensburg das schwierige Problemfeld von Impfungen prä und post von Transplantationen. Er zeigte auf, wie der Immunschutz nach Stammzell-Transplantationen vollständig verlorengeht und wie wichtig es ist, hier durch Impfungen wieder einen Schutz aufzubauen. Andererseits muss immer auch die tatsächliche Situation des Patienten abgeklärt und die Impfung mit dem Transplantationszentrum abgestimmt werden. Das schwierige Thema wurde von Dr. Wolf umfassend dargestellt und den Zuhörern nahegebracht.
Nach der Mittagspause referierte Prof. Wolfgang Jilg, Universität Regensburg und Mitglied der STIKO, über den Themenblock „Einmal Impfversager immer Impfversager? Schutzlos ohne Antikörper ? Brauchen wir Adjuvantien?“
Er stellte anschaulich dar, dass ein einmaliges Impfversagen nicht bedeutet, dass ein Immundefekt vorliegt und jedwede weitere Impfung chancenlos wäre. Anhand umfassender Daten konnte er aufzeigen, welche Chancen zusätzliche Impfungen bringen und dass durchaus auch ein Schutz bestehen kann, wenn keine Antikörper gemessen werden. Hier gab der Vortrag tiefe Einblicke in die komplexe Materie und zeigte den Zuhörern interessante Lösungen auf.
Zur Frage, ob Adjuvantien gebraucht werden, gab Prof. Jilg eine klare eindeutige Antwort: Ja.
Den abschließenden Vortrag hielt Prof. Kreth, Mitglied des Beirats des Instituts für Prävention an der Deutschen Eliteakademie, zum Thema „Gibt es Impfverbote? Impfverbote bei Autoimmunerkrankungen, Allergien und neurologischen Erkrankungen?“ Er stellte klar, dass es selbstverständlich Impfverbote gibt, leider würden aber viele Impfungen nicht durchgeführt, weil diese Impfverbote einem falschen Verständnis entsprangen. Hier sei es wichtig, wirklich zu verstehen, wann eine Impfung kontraindiziert ist und wie weit das Impfverbot reicht, denn wenn es nicht mehr besteht, sind gerade in diesen Bereichen große Vorteile zu erwarten.
Das Symposium wurde von den Zuhörern sehr gut angenommen, was auch die rege Diskussion mit den Referenten untermauerte.
Die Deutsche Eliteakademie wird aus den einzelnen Vorträgen ein wissenschaftliches Kurzexposé erstellen und in Bälde veröffentlichen, damit auch jene Gelegenheit bekommen, sich das Wissen der Experten anzueignen, die das Symposium nicht persönlich besuchen konnten.